Viele Geschäftsführer sehen ihr Wertpapierdepot als getrennten Baustein neben der GmbH. Das Depot enthält vielleicht mehrere Fonds und wirkt auf den ersten Blick gut diversifiziert. Im Gesamtvermögen kann dennoch ein massives Klumpenrisiko bestehen, weil Firmenwert, Gehalt, Altersversorgung, Immobilie und private Anlagen von denselben wirtschaftlichen Entwicklungen abhängen.

Das Problem ist nicht automatisch die hohe Beteiligung am eigenen Unternehmen. Unternehmerische Konzentration kann bewusst eingegangen und wirtschaftlich erfolgreich sein. Gefährlich wird sie, wenn ihr Umfang unbekannt ist und die übrigen Vermögensbausteine denselben Risikofaktor verstärken statt ihn auszugleichen.

Vier Konzentrationen statt nur einer Aktienposition

Die erste Konzentration ist der Unternehmenswert. Die zweite liegt im laufenden Einkommen, denn Gehalt und Tantieme hängen häufig von derselben GmbH ab. Die dritte betrifft Versorgungsansprüche gegen das Unternehmen, etwa eine Direktzusage oder Unterstützungskassenleistung. Die vierte entsteht im privaten Vermögen, wenn dort zusätzlich Branchenfonds, Aktien wichtiger Kunden oder eine betrieblich genutzte Immobilie liegen.

Jeder Baustein kann für sich plausibel sein. Zusammen entsteht jedoch eine starke Abhängigkeit vom Erfolg eines einzigen Geschäftsmodells, Standorts oder Branchenzyklus. Eine Vermögensübersicht sollte deshalb nicht nur Konten und Verkehrswerte zeigen, sondern auch die gemeinsame wirtschaftliche Ursache.

Risiken nach Ursachen statt nach Kontonamen ordnen

Ein Depot bei drei Banken ist nicht automatisch auf drei Risiken verteilt. Halten alle Depots ähnliche europäische Aktienfonds, ist die wirtschaftliche Konzentration weiterhin vorhanden. Umgekehrt kann ein einzelner globaler Fonds viele Länder, Branchen und Unternehmen abdecken. Entscheidend ist der Inhalt, nicht die Anzahl der Verträge.

Für die Analyse werden Vermögenswerte Risikotreibern zugeordnet: eigenes Unternehmen, Deutschland, bestimmte Branche, einzelne Währung, Zinsentwicklung, Immobilienmarkt und persönliche Arbeitskraft. Zusätzlich werden Verbindlichkeiten und geplante Ausgaben erfasst. So wird sichtbar, welche Ereignisse mehrere Positionen gleichzeitig treffen könnten.

Vier Felder mit Unternehmens-, Branchen-, Regional- und indirektem Überschneidungsrisiko im Gesamtvermögen eines Unternehmers
Beispielhafte Darstellung. Der Beitrag empfiehlt eine persönliche Konzentrationsgrenze.

Indirekte Überschneidungen im Depot finden

Unternehmer investieren gern in Branchen, die sie verstehen. Das ist nachvollziehbar, kann aber das bestehende Risiko verdoppeln. Ein Geschäftsführer aus dem Maschinenbau hält vielleicht deutsche Industrieaktien, einen Nebenwertefonds und eine Gewerbeimmobilie am Unternehmensstandort. Formal sind das verschiedene Anlagen, wirtschaftlich reagieren sie teilweise auf dieselben Auftragszyklen.

Auch globale Fonds können Überschneidungen enthalten. Mehrere Produkte mit unterschiedlichen Namen besitzen möglicherweise dieselben großen Unternehmen. Eine Bestandsanalyse sollte deshalb die wichtigsten Einzeltitel, Länder und Sektoren zusammenführen. Nicht jede Doppelung ist problematisch, aber jede große Doppelung sollte bewusst sein.

Nach dem Unternehmensverkauf bleibt häufig Restkonzentration

Mit dem Verkauf der GmbH verschwindet das Unternehmerrisiko nicht immer am Closing-Tag. Earn-out, Verkäuferdarlehen, Escrow, Garantien oder eine Rückbeteiligung können einen erheblichen Teil des Kaufpreises weiterhin an den Käufer und die frühere Firma binden. Auch eine betriebliche Pension oder ein befristeter Beratervertrag schafft eine fortbestehende Abhängigkeit.

Der Verkaufserlös darf deshalb nicht isoliert als frei verfügbares Bankguthaben betrachtet werden. Zuerst werden alle nachlaufenden Ansprüche und Verpflichtungen bewertet. Erst der tatsächlich unabhängige Teil kann gezielt zur Diversifikation des Gesamtvermögens eingesetzt werden.

Eine persönliche Konzentrationsgrenze festlegen

Es gibt keine allgemeingültige Höchstquote für das eigene Unternehmen. Die tragbare Konzentration hängt von Alter, Liquiditätsbedarf, Verschuldung, Verkaufsperspektive und sicheren Einkünften ab. Hilfreicher als eine starre Prozentzahl sind Belastungstests: Was passiert mit Lebensstandard und Altersvorsorge, wenn der Unternehmenswert um die Hälfte fällt, zwei Jahre keine Tantieme gezahlt wird und eine Immobilie gleichzeitig leer steht?

Aus dem Ergebnis entstehen Grenzen für kurzfristige Liquidität, einzelne Emittenten, Branchen und illiquide Anlagen. Die Grenze muss nicht sofort erreicht werden. Sie gibt jedoch vor, wohin neue Sparbeträge, Ausschüttungen und Verkaufserlöse fließen.

Diversifikation ohne hektischen Komplettumbau

Ein großer Firmenanteil lässt sich oft nicht kurzfristig verkaufen. Trotzdem kann das übrige Vermögen schrittweise robuster werden. Neue private Anlagen werden außerhalb der eigenen Branche aufgebaut, freie GmbH-Liquidität bleibt von der operativen Reserve getrennt und die Altersversorgung wird auf ihre Abhängigkeit vom Arbeitgeber geprüft.

Ein jährliches Gesamtvermögensblatt zeigt Unternehmenswert, Versorgungsansprüche, Immobilien, Depots, Bankguthaben und Schulden in einer gemeinsamen Struktur. Veränderungen werden nicht nur in Euro, sondern auch nach Risikotreibern dokumentiert. Damit wird Diversifikation zu einem fortlaufenden Prozess statt zu einer einmaligen Produktentscheidung.

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Häufige Fragen

Ist eine hohe Beteiligung am eigenen Unternehmen grundsätzlich falsch?

Nein. Unternehmerische Konzentration kann bewusst und wirtschaftlich sinnvoll sein. Sie sollte aber in Liquiditätsplanung, Altersvorsorge und privater Geldanlage ausdrücklich berücksichtigt werden.

Reicht ein weltweit anlegender ETF zur Diversifikation?

Er kann den liquiden Teil breit streuen. Firmenwert, Arbeitskraft, Pension, Immobilien und nachlaufende Kaufpreisrisiken bleiben davon jedoch unberührt.

Wie oft sollte das Klumpenrisiko überprüft werden?

Mindestens jährlich sowie nach größeren Ereignissen wie Beteiligungskauf, Ausschüttung, Pensionszusage, Immobilienerwerb oder Unternehmensverkauf.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine individuelle Steuer-, Rechts-, Versicherungs- oder Anlageberatung. Rechtsfolgen und steuerliche Wirkungen hängen vom Einzelfall, von der Vertragsgestaltung und vom jeweils geltenden Recht ab. Kapitalanlagen unterliegen Wertschwankungen; vergangene Entwicklungen erlauben keine verlässliche Aussage über künftige Ergebnisse.

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